Mario Röllig

Mario Röllig1967 in Ost-Berlin geboren, absolvierte er nach dem Oberschulabschluss der 10. Klasse eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Nach seinem Coming-out als Homosexueller befreundete er sich im Alter von 17 Jahren mit einem West-Berliner Politiker. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) versuchten ihn daraufhin als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) anzuwerben. Weil er es ablehnte, andere Menschen zu bespitzeln, wurde er massiv unter Druck gesetzt.

Im Juni 1987 versuchte er deshalb, über Ungarn nach Jugoslawien zu fliehen. Dabei wurde er von der ungarischen Grenzpolizei verhaftet und nach einer Woche im Budapester Polizeigefängnis dem DDR-Staatssicherheitsdienst übergeben und kam einen Monat darauf in das zentrale Untersuchungsgefängnis des MfS nach Berlin-Hohenschönhausen, wo man ihn anklagte, wegen des „Versuchs des ungesetzlichen Grenzübertritts“. Als er nach drei Monaten Untersuchungshaft entlassen wurde, erfuhr er persönliche und berufliche Repressalien. Er stellte noch im selben Monat einen Ausreiseantrag.

Anfang 1988 nahm er an oppositionellen Veranstaltungen innerhalb der evangelischen Kirche teil. Nach einem Protestbrief an Staats-Chef Erich Honecker wurde er schließlich am 8. März 1988 aus der DDR ausgebürgert. Erst 1997 erfuhr er zum ersten Mal aus seinen Stasi-Akten, wo er zehn Jahre zuvor inhaftiert war. Nach einer zufälligen Wiederbegegnung mit einem seiner ehemaligen Stasi-Vernehmer aus Hohenschönhausen, kehrte das Trauma der Inhaftierung zurück.

Seit 1999 setzt er sich öffentlich mit seiner Geschichte auseinander und engagiert sich heute in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), in der Mahn- und Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sowie in zahlreichen Schüler- und Kunstprojekten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Kommentar

 
  • uta bremhorst sagt:

    Lieber Herr Röllig,
    Ihre offenen Worte im “Kölner Treff” haben mich sehr berührt.
    Wenn alle Menschen so offen über ihre psychischen Probleme reden würden, wie Sie das getan haben, sähe es für Menschen mit Ängsten und Depressionen nach traumatischen Erlebnissen besser aus. Ich spreche aus Erfahrung.
    Auch ihr Therapeut mit vier Beinen gefällt mir sehr.
    Meine Hündin Ashley hat mich nach meinem psychischen Zusammenbruch wieder
    liebevoll ins Leben gestupst. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Zu Anti-Depressiva sollten die Ärzte einen Hund verschreiben, das wäre eine wirkliche Hilfe.
    Ihnen wünsche ich weiterhin alles Gute und Gottes Segen!
    Liebe Grüße
    Uta Bremhorst
    P.S.
    Ich finde es sehr gut, dass Sie sich wieder in diese Haftanstalt getraut haben; mein Therapeut sagte immer:
    Gespenster muß man dort bekämpfen, wo sie wohnen.
    Als DDR-Kind wünsche ich mir außerdem, dass endlich den “weich gelandeten”
    Stasi Menschen an den Kragen geht.