Gilbert Furian

Gilbert Furian mit Kanzlerin_web1945 in der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz geboren, habe ich im Rahmen einer behüteten Kindheit (meine Mutter war Hausfrau und ich kam ohne Kindergarten aus) die Grundschule und die Erweiterte Oberschule besucht und neben dem Unterricht als Sänger und Kleindarsteller meiner Theaterleidenschaft gefrönt. Das ersehnte Dolmetscherstudium fiel aber trotz großer sprachlicher Begabung ins Wasser, weil ich wegen Mitgliedschaft in der Jungen Gemeinde aus der FDJ rausflog. Habe nach dem Abitur Verkehrskaufmann gelernt und nach dem Wehrdienst in der NVA 1967 ein Philosophiestudium in Leipzig aufgenommen, wo ich aber wegen Stellungnahme gegen den Einmarsch des Warschauer Vertrages in die ČSSR exmatrikuliert wurde. Nach mehr als 10 Jahren Tätigkeit als Bearbeiter für Versicherungen und Inventuren in Berlin habe ich dann den Rat meiner Großmutter („Lieber Gott, mach mich stumm, dass ich nicht nach Bautzen kumm!“) in den Wind geschlagen und Punks interviewt. Weil ich das Material auch Freunden im Westen schicken wollte, wurde ich von der Staatssicherheit der DDR verhaftet und 1985 zu 2 Jahren und 2 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Nach der Entlassung (Ablehnung der Ausreise in den Westen) war ich zunächst Mitarbeiter der Berliner Domkantorei – mehr als 25 Jahre auch Chorsänger – und habe 1989 begonnen, politische Häftlinge und deren ehemalige Verfolger zu befragen (Publikationen: „Mehl aus Mielkes Mühlen“ und „Auch im Osten trägt man Westen“).

Seit 1991 bin ich Hausmann, meine Frau ist Superintendentin eines Evangelischen Kirchenkreises, und wir haben zwei Söhne (geb. 1989 und 1993). Ich führe Besucher durch die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, und auch das Theater kommt wieder zu seinem Recht: Als Darsteller in dem Stück „Staats-Sicherheiten“ am Hans-Otto-Theater Potsdam stehe ich mit 14 anderen ehemaligen politischen Gefangenen auf der Bühne.

Kommentar

 
  • Sandra sagt:

    Sehr geehrter Herr Furian,
    vor einigen Jahren habe ich an einer Ihrer Führungen durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen teilgenommen.
    Nun stehe ich kurz vor dem Abitur und werde nächsten Monat ein Referat über den Staatssicherheitsdienst in dem Fach Sozailwissenschaften halten. Da mir Ihre Geschichte noch gut in Erinnerung geblieben ist, würde ich mich gerne an Sie wenden. Und nun kommt auch schon meine Bitte an Sie: Wäre es vielleicht möglich ein telefonisches Interview zu führen, dass ich schulintern in meinem Kurs veröffentlicht dürfte?
    Ich wäre Ihnen sehr verbunden und hoffe auf baldige Antwort ihrerseits.
    Liebe Grüße aus dem Münsterland in Nordrhein-Westfalen sendet Ihnen Sandra P.