Das rbb Info-Radio im KREATIVHAUS

Am 20. Juli 2009 kamen einige Jugendliche der JuniorAkademie “Humboldt auf Scharfenberg” in unser Haus, um den Zeitzeugen Mario Röllig zu treffen. Dieser berichtete ihnen von seinem Fluchtversuch im Jahre 1987: Die ungarischen Grenzsoldaten haben beinahe geweint, als sie ihn festnehmen mussten. Die Gefängniszelle in der ungarischen Stadt Kecskemét war eines Menschen unwürdig. Hingegen waren die Haftbedingungen in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen, die er zum Glück nach drei Monaten verlassen konnte, fast schon erträglich.Er erzählte aber auch von dem speziellen Antifaschismus-Begriff in der DDR, der sich auf die Verfolgung kommunistischer Widerstandkämpfer im Dritten Reich beschränkte und die Erinnerung an die Verfolgung von Juden, Roma oder Homosexuellen weitgehend vernachlässigte, ja sogar verhinderte. Und er erzählte von seiner Empörung über die neue Touristen-Attraktion am Checkpoint Charlie: Man kann sich dort von uniformierten Studenten einen lustigen Visum-Stempel verpassen lassen, wenn man dafür bezahlt. Die Profiteure dieser neuen Einnahmequelle können sich offenbar nicht vorstellen, dass Männer, die sich in der Öffentlichkeit als Grenzsoldaten verkleiden, bei einigen Menschen traumatische Erinnerungen wachrufen und sie auf diese Weise die Leidtragenden der damaligen Machtverhältnisse belächeln. Aber auch hier gilt das Gesetz: Wo eine Nachfrage ist, entsteht ein Angebot.

Das Gespräch mit Mario Röllig wurde von einer Reporterin des rbb Info-Radio begleitet. Den Radio-Bericht kann man hier nachlesen: http://www.inforadio.de/radio_zum_lesen/spezial/demokratie_ist_alltag/mario_roellig___.html

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