Über eine Schatzsuche mit der Ost-West-Akademie am 29.05.2009

Die Ost-West-Akademie besteht aus einer ansehnlichen Gruppe junger Erwachsener aus Ost und West, die sich seit über 20 Jahren regelmäßig treffen und gemeinsam an Veranstaltungen teilnehmen, diskutieren und Spaß haben. Im Laufe der Jahre haben sie Familien gegründet und ihre Kinder, die sie immer im Schlepptau haben, sind inzwischen im Alter von 6 bis 17 Jahren. Für diese Kinder sollten wir eine Schatzsuche organisieren, gerieten aber in Verlegenheit, so kurzfristig ein altersgerechtes Programm zusammenzustellen, zumal wir anfangs mit Kindern der 2.-3. Klasse rechneten. Das bisher von Matthias Warncke entwickelte Stadtspiel schien hierfür etwas anspruchsvoll, so dass ein nahezu komplett neues Programm entwickelt werden musste.

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Unsere Schatzsuche nahm ihren fulminanten Auftakt in der Zionskirche, die in den 1980er Jahren, nicht zuletzt als Veranstaltungsort für Konzerte ost- und westdeutscher Rockbands, eine wichtige Rolle für die Oppositions- und Friedensbewegung spielte. Der Ost-Berliner Zeitzeuge Gilbert Furian hielt einen sehr anschaulich und lebendig erzählten Vortrag über sein Leben als Mensch, der es liebte, seine ehrliche Meinung zu äußern und der 1985 aufgrund seines Versuchs, die Kopie eines transkribierten Interviews mit Berliner Punks über die Grenze nach West-Deutschland zu bringen, inhaftiert wurde und anderthalb Jahre im Gefängnis verbrachte.

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Die Kinder stellten erstaunlich gute Fragen, z.B. warum Herr Furian nicht nach West-Deutschland gehen wollte und auch nach seiner Inhaftierung lieber in der DDR blieb oder ob Punks nicht eigentlich gegen die Kirche seien. Nachdem er alle Fragen beantwortet hatte, überreichte er den Kindern ein kleines Kästchen mit einigen Fotos, die ihnen den Weg zum ersten Versteck weisen sollten. Ihr Weg führte sie zu einem goldenen Denkmal sowie zu einem goldenen Pilz, der, wie sich herausstellte nicht aus echtem Gold, sondern von der Morgensonne angemalt worden war. – Schon nach fünf Minuten wurde der erste Schatz gefunden. Der Preis für den Fund war ein urkomisches Spiel, animiert von Arash Sarhaddi, in dem sich – etwas anachronistisch – Prinzessinnen und Ritter, aber vor allem Drachen und Ritter gegenüber standen sowie 26 Detailfotos, deren Pendants in der Wirklichkeit wieder gefunden werden mussten und die Fährte zum nächsten Schatz legten.

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An der Bernauer Straße wurden Mauerreste unter dem Gras entdeckt und der ehemalige Postenweg abgeschritten, der wie es aussieht nicht mehr lange existieren wird. Im Mauer-Park wurde ein weiteres Spiel gespielt. Diesmal ging es darum, dass 5 mit Bällen bewaffnete Grenzposten 10 DDR-BürgerInnen von ihrer Flucht über die Grenze abhalten mussten. Trotz umherfliegender Bälle und der beängstigenden Drohgebärden jener Grenzsoldaten schafften es einige, lebendig über die “Mauer” zu gelangen.

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Die letzte Station unserer Schatzsuche bildete der Aussichtsturm der Gedenkstätte der Berliner Mauer in der Bernauer Straße, in welcher der Hauptschatz versteckt war: Ein Puzzle, mit dem der genaue Verlauf der Mauer in Berlins Mitte rekonstruiert werden musste und welches die Kinder am liebsten mit nach Hause genommen hätten. Wenigstens sind sie jetzt im Besitz eines wunderschönen blauen Balls, den sie bei der Suche nach den Mauerresten unter den Weinranken entdeckt hatten. Gar keine Frage, dass sie ihn mit sich nahmen, denn sie befanden sich ja im Niemandsland – und ein Ball, der im Niemandsland liegt, gehört niemandem.

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Mauer-Puzzle von Matthias Warncke

Die Ost-West-Akademie hat eine eigene Zeitung, zu finden unter: www.aufbruch-89.de. Hier sind auch unsere MauerSeglerInnen des Tages als Kinderreporterteam unterwegs.

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