Die Realschule Baumholder zu Gast im KREATIVHAUS

Das zweite ZeitzeugInnen-Gespräch für ‚MauerSegler’ fand am 12. Mai 09 im KREATIVHAUS statt und hatte 41 SchülerInnen der Realschule Baumholder bei Trier zu Gast. Nach einer einleitenden Vorstellung der sechs ZeitzeugInnen Eva-Marie Niemann, Henryk Gericke, Mario Röllig, Holger Zeidler, Gilbert Furian und Ulrich Krüger, teilten sich die SchülerInnen in drei Gruppen auf, um mit je einem Zeitzeugen aus dem ehemaligen Ostberlin und einem aus dem Westteil der Stadt intensive Gespräche zu führen.Wenn der Zeitzeuge Gilbert Furian von seinen Erlebnissen in der DDR erzählt, vom Schutzraum Kirche für oppositionelle Bewegungen, vom Ringen um die freie geistige Entwicklung, hört Holger Zeidler aufmerksam zu, fragt nach und bringt einen interessierten Austausch zwischen Ost und West in Gang. Holger Zeidler seinerseits berichtet von seiner Zeit als Feuerwehrmann. Kurz nach dem Mauerbau rückten er und seine Kollegen mehrfach an, um Sprungtücher zu halten, die für manch einen den Sprung in die Freiheit bedeuteten. Sprüngen aus höheren Etagen jedoch hielten die Sprungtücher meist nicht Stand, Holger Zeidler wird ganz leise, wenn er davon erzählt.

In der zweiten Gruppe begegneten die SchülerInnen dem Zeitzeugen Mario Röllig. Dieser berichtete von seinem Fluchtversuch über Ungarn, seinen anschließenden Erfahrungen im Stasi-Knast und den Folgen, die ihn noch heute belasten. Eva-Marie Niemann saß an seiner Seite, sie hat missglückte Fluchthilfe von der anderen Seite erlebt. Während die SchülerInnen die Pause nutzten, um sich die Beine zu vertreten, blieben die ZeitzeugInnen ganz in ihre Gespräche vertieft, beieinander sitzen.

In der dritten Gesprächsgruppe fesselte das Thema Punk im Osten. Henryk Gericke schilderte Punk als Fluchtpunkt und Möglichkeit, einen eigenen Lebensstil jenseits verordneter vorbestimmter Lebensentwürfe zu leben. Allerdings hatte dies den Preis, ins Visier der Stasi zu geraten und als persona non grata jeglicher Bürgerrechte beraubt zu werden. Der Zeitzeuge Ulrich Krüger hatte im Westberlin jener Zeit natürlich andere Sorgen, er berichtete von seiner Arbeit als Gewerkschafter und seiner Freude über den Fall der Mauer.

Nach den zweistündigen Gesprächen erfolgte eine gemeinsame Abschlussrunde, in der sich die SchülerInnen beeindruckt zeigten von der jüngsten deutschen Vergangenheit, über die sie zuvor nicht viel wussten. Dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, war die vielleicht eindringlichste Erfahrung des Abends, löste vage Betroffenheit aus und stimmte nachdenklich.

Du kannst alle Antworten zu diesem Eintrag via RSS 2.0 Feed erfolgen. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

Kommentieren wurde geschlossen.